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Auf der ersten Seite der Speisekarte steht der Satz: Kosten Sie wie Russland schmeckt! Wir haben gekostet, es hat uns geschmeckt....

Jahrzehntelang war es auch mein Traum dieses Lokal zu besuchen, aber es war eben nie der richtige Zeitpunkt. Jetzt hat sich mein Traum erfüllt, aber ich war dann doch sehr erstaunt, als ich den Feuervogel betrat.

 

In meiner Vorstellung hatte ich das Bild eines riesigen Saales vor mir, der mit bordeauxfarbigen, schweren Brokatvorhängen und goldenen Kerzenleuchtern mit Kristallbehang (vielleicht doch zu viel Dr. Schwiago - Schussszene relativ am Anfang - gesehen! ;-)) ausgestattet ist. Naja, so stellt sich halt die kleine Maxi die große Welt vor. ;-)

 

Wir betraten also das Lokal und standen somit schon unmittelbar vor der Garderobe (links geht es zur Küche), sofort wurden wir von unserem Gastgeber in Empfang genommen und nachdem wir die Garderobe abgegeben hatten, wurden wir auch schon zum reservierten Tisch begleitet.

 

Wir hatten uns kaum akklimatisiert bekamen wir auch schon die Speisekarten überreicht und versuchten uns erst einmal einen kleinen Überblick bezüglich der angebotenen Speisen zu machen.

Hier griff hilfreich unser Gastgeber ein und schlug erst einmal eine Runde Wodka vor. Wie kann man das in einem russischen Lokal schon ablehnen? Also begannen wir mit Wodka. Die Flasche Wodka mitsamt dem entsprechenden Kühler wanderte auf unseren Tisch, begleitet mit einer Karaffe Blutorangensaft. Der Wodka hatte es in sich, selbst mit dem Blutorangensaft schoss er direkt ins Hirn. (War doch keine gute Idee, seit dem Frühstück nichts mehr zu essen! ;-))

 

Aber auch hier konnte uns geholfen werden, denn nach den ersten Schlucken wurde uns eine Sakkuska (Vorspeisenplatte) ans Herz gelegt.  Wie wurde so schön betont: “Der Wodka braucht eine ordentliche Unterlage!” Genau, so ist es.

Wir redeten und redeten, delektierten und in der Zwischenzeit an dem bereitgestellten Aufstrich (lecker, mit Knoblauch!), Butter und Brot. Beim Brot im Brotkorb handelte es sich um Weißbrot, Mischbrot und Karottenbrot in abwechselnder Anordnung. Im Feuervogel wird wirklich auf das kleinste Detail geachtet.

 

Da wir schon bei Details sind. Das Ambiente ist total anders wie in meiner Fantasie. (No na ned!) Es handelt sich um ein eher kleines schlauchartiges Lokal mit einer (für mich) sehr ansprechenden und farbenfrohen Wandmalerei. Das Lokal ist hell. Es bietet Platz für kleine Gruppen und auch Große, und selbst für ein Dinner zu Zweit scheint es wie geschaffen zu sein. Denn die kleinen Nischen an denen wir vorbeigingen, als wir zu unserem Tisch beführt wurden, sahen sehr einladend aus und schienen doch für die entsprechende Privatsphäre zu sorgen. (Wird beim nächsten größeren Anlass sicherlich einmal näher in Augenschein genommen werden.) Übrigens, es gab zumindest rostrote Vorhänge an den Fenstern, die  mit dicken Kordeln zur Seite gebunden sind. ;-)

 

Weiters ist dieses Lokal natürlich in Nichtraucher und Raucher getrennt. Die Raucher sind hinten im Lokal hinter einer geschlossenen Glastüre untergebracht (3 Tische - wenn ich mich nicht verzählt habe). Die Toilette ist ein bisschen klein aber extrem sauber und es ist Warmwasser vorhanden, trotz des Alters des Hauses! Hier sollten sich andere ebenfalls gehobene bis teure Restaurants ein Beispiel nehmen.

 

Jetzt war es soweit. Ein riesiges Tablett mit den verschiedensten kalten Köstlichkeiten, welche die Küche zu bieten hatte, wurde in der Mitte des Tisches platziert. Wir delektierten uns an folgenden Vorspeisen:

 

  • Russisches Ei mit Keta-Kaviar auf Gemüsesalat
  • Melonenspalten mit Kräuterschinken
  • Gänselebermousse St. Petersburg mit Cognac
  • Geräucherter Lachs
  • Gebeizter Lachs
  • Seljodka - marinierter Hering mit Rahm
  • Gefüllte Weinblätter - Kalbfleisch und Reis

Dazu wurde knuspriges Toastbrot gereicht.

 

Wobei man natürlich nicht vergessen darf zu erwähnen, dass diese Platte noch mit den verschiedensten Obst- und Gemüsesorten exquisitest dekoriert war.

 

So wurden die Russischen Eier auf dem Gemüsesalat von Rucola, Tomatenscheiben, Gurkenscheiben  und Kirschpfefferoni - diese waren auch genauso scharf, wie es die Farbe schon signalisierte - drapiert. Damit ich meinen Magen nicht beleidige hatte mein Mann die Ehre. Danke, an dieser Stelle! ;-)

 

Die Gefüllten Weinblätter (in Terrinenform) waren mit einem kleinen Klecks Obers sowie fein geschnittenem Petersilie versehen und auf Tomatenscheiben gebettet. Das Gänselebermousse durfte es sich auf Orangenscheiben gemütlich machen.

 

Die Melonenspalten (extrem süße Zuckermelonen - selbstverständlich ohne Schale) trugen den Kräuterschinken, und diesem waren noch süße, saftige Weintrauben zur Seite gelegt worden.

 

Die Fischabteilung wurde mit Zwiebelringen, Zitronenscheiben, Rucola und roten Spitzpaprika - in Ringe geschnitten - sowie Lollo Rosso abgegrenzt und dekoriert.

 

Ja, die Platte haben wir übriggelassen. ;-)

 

Meine Favoriten waren auf jeden Fall Seljodka und das Russische Ei. Aber es war wirklich alles herrlich, köstlich und man schmeckte die Frische der Zutaten und die Liebe zum Detail.

 

Als nächster Gang wurde der Borscht “Moskovski” und der Borscht “Ukrainski” geordert. Im Feuervogel gibt es übrigens die Möglichkeit auch eine halbe Tasse Suppe zu bekommen. 

 

Der traditionelle Borscht ist die “Moskovski”-Version. Mit roten Rüben. Ich persönlich habe sie mir etwas dicker in der Konsistenz vorgestellt, das hat aber dem Geschmackserlebnis keinerlei Abbruch getan.

 

Die ukrainische Version war hingegen sehr tomaten- bzw. paprikalastig (wenn mich meine Geschmacksknospen nicht ganz im Stich gelassen haben) etwas dicker in der Konsistenz und mit einem Klecks Obers ergänzt. (Hier hat es einmal nicht gestört, denn die Suppe war kräftig genug dies zu verdauen!)

 

Schon während der Vorspeise waren die Speisekarten eingesammelt worden, jetzt kamen sie wieder zum Vorschein, denn die Bestellung des Hauptganges wurde fällig. Nach längerem Hin und Her nahmen wir dann doch den Vorschlag unseres Gastgebers an und einigten uns auf die Wolga-Platte für 5 Personen. Es sollte sich als sehr gute Wahl herausstellen.

Wolga-Platte. Diese bestand aus:

 

  • Boeuf Stroganoff (Rindergeschnetzeltes mit Pilzen - traditionell)
  • Schaschlik Karski (Spieß mit gebeizten Filetstücken) auf rotem Reis
  • Hühnerbrust Kiew (mit Kräuterbutter gefüllt) auf Strohkartoffeln
  • Golupzi (ukrainische Krautroulanden) mit Sauce

 

als Beilagen wurden Gemüse und Blinis serviert.

 

Das Boeuf Stroganoff wurde mit Salzgurken und einem Klecks Obers dekoriert. Das Fleisch sehr saftig und zart. Diese Speise war die würzigste. Für mich schon ein bisschen zu viel. Sollte jemand der linden Küche angehören, wie ich, ist hier doch eher ein bisschen Abstand zu nehmen. Wobei natürlich der Geschmack phänomenal bis grandios war.

 

Der Schaschlik-Spieß Karski (Fleisch mit Paprika) wurde mit einem tomatisierten Reis serviert. Pro Person war auch jeweils eine Zwiebelscheibe vorhanden. Auch hier das Fleisch von hervorragender Qualität und sehr gut. Leider wie bei allen Spießen üblich, wurde diese Speise relativ schnell kalt. Aber da kann man halt nichts machen, oder beim nächsten Mal gleich als erstes verschnabulieren.

 

Die Hühnerbrust Kiew war mit Kräuterbutter gefüllt und paniert. Diese wurden auf einem Bett aus Strohkartoffeln serviert, wobei mehrmals darauf hingewiesen wurden, dass beim Einstechen in das Fleischstück Vorsicht walten zu lassen wäre, denn die Kräuterbutter wäre extrem heiß und es würde somit Verbrennungsgefahr drohen.

Natürlich haben wir darauf geachtet. Keinem ist etwas passiert. ;-)

 

Nun zu meinem Favoriten der Hauptspeise: Golupzi - ukrainische Krautrouladen. Diese wurden in einer Art Rahmsauce serviert und waren wirklich hervorragend. Auch etwas würziger aber durch die Rahmsauce und die Blinis, die übrigens herrlich weich und duftig waren und obendrein noch grandios schmeckten, war die Würzigkeit bei dieser Speise (für mich) kein Problem.

 

Weiters sei noch kurz das Gemüse erwähnt, das gut zu den diversen Gerichten passte, aber nichts außergewöhnliches bot. Es war sehr gut zubereitet und bestand aus Broccoli, Karotten, Erbsen, ganzen Fisolen, Karfiol, etc.

 

Als auch dieser Gang geschafft war, waren wir alle mehr als satt und der Nachfrage unseres Gastgebers bezüglich des Dessert mussten wir, zwecks Platzmangel in gewissen körperlichen Regionen, leider eine Absage erteilen.

 

Dieser konnte allerdings nicht umhin uns die für den Nachbartisch zubereitete Nachspeisenplatte zu zeigen. Ja, ich habe diese geknipst, allerdings habe ich dazu auch die Einwilligung unseres Gastgebers eingeholt. Würde mir sonst niemals erlauben fremdes Essen zu fotografieren. ;-)

Ich möchte doch noch einige Worte über das Ambiente verlieren. Die Atmosphäre wurde durch die russischen Klänge, die uns den ganzen Abend begleiteten auf´s herrlichste untermalt. Und die Sesseln (hier kann ich nur diese bewerten, da ich nicht auf der an der Wand entlanglaufenden Sitzbank sass) waren extrem bequem. Selbst nach einem 4 1/2 stündigen Aufenthalt auf diesem Sitzmöbel war meine Wirbelsäule sehr zufrieden und machte sich NICHT durch Schmerzen bemerkbar.

 

Man kann somit sagen, hier wird nicht nur auf das körperliche Wohl in Form von exquisiten Speisen mit der dementsprechenden opulenten Aufmachung geachtet, sondern auch auf das körperliche Wohl in Form von Sitzgelegenheiten, die ein langes Verweilen problemlos ermöglichen.

 

Fazit: Speisen: 10,00 | Ambiente: 8,00 | Service: 10,00

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